WDVS, Vorhangfassade oder Kerndämmung: welches System wann passt
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Zwischen den Systemen liegt der Faktor acht
Je Quadratmeter Wandfläche kostet eine Kerndämmung der Hohlschicht ungefähr ein Achtel dessen, was eine hinterlüftete Vorhangfassade kostet. Verglichen damit ist die Wahl zwischen EPS und Mineralwolle eine Nachkommastelle.
Ein Preisvergleich über Systemgrenzen hinweg misst deshalb die Bauweise, nicht den Preis. Die erste Frage an ein Fassadenangebot ist: Welches System ist das eigentlich?
Wärmedämmverbundsystem
Der Regelfall im Einfamilienhaus. Dämmplatten werden auf die Wand geklebt und gedübelt, darüber kommt eine Armierungsschicht mit Gewebe und darauf der Oberputz. Das System ist erprobt, vergleichsweise günstig und bei jeder Wandart möglich.
Nachteile sind der geschlossene Aufbau – Feuchte muss durch den Putz nach außen – und die Empfindlichkeit der Oberfläche gegen mechanische Beschädigung im Sockelbereich. Bei brennbaren Dämmstoffen kommen ab einer gewissen Gebäudehöhe Anforderungen an den Brandschutz hinzu, in der Praxis umlaufende Riegel aus nichtbrennbarem Material.
Für die Förderung ist ein U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²·K) maßgeblich. Das entspricht bei einem üblichen Dämmstoff mit λ 0,032 einer Stärke in der Größenordnung von 150 Millimetern; wie viel es genau ist, hängt an der Bestandswand.
Hinterlüftete Vorhangfassade
Auf eine Unterkonstruktion kommt die Dämmung, davor mit Abstand die Bekleidung – Faserzementplatten, Schiefer, Holz, Blech oder Klinkerriemchen. Zwischen Dämmung und Bekleidung bleibt eine belüftete Luftschicht.
Bauphysikalisch ist das die robusteste Lösung: Feuchte trocknet über die Luftschicht ab, die Dämmung bleibt trocken, und die Bekleidung lässt sich einzeln austauschen. Die Lebensdauer liegt deutlich über der eines Putzsystems.
Dafür ist es die teuerste Variante, sie trägt stärker auf, und die Unterkonstruktion muss statisch geplant werden. Sinnvoll ist sie vor allem an schlagregenbelasteten Wetterseiten, bei ungleichmäßigen Untergründen und dort, wo eine sichtbare Materialität gewünscht ist.
Kerndämmung der Hohlschicht
Bei einem zweischaligen Mauerwerk – verbreitet im norddeutschen Klinkerbau – liegt zwischen tragender Innenschale und Verblendschale ein Hohlraum von meist vier bis zehn Zentimetern. Der lässt sich über wenige Bohrungen mit losem Dämmstoff verfüllen.
Das ist mit Abstand die wirtschaftlichste Maßnahme an der Fassade: kein Gerüst, keine Laibungen, keine Fensterbänke, keine Anbauteile, und die Ansicht des Hauses bleibt unverändert. In wenigen Tagen ist sie fertig.
Die Grenze ist der Hohlraum selbst. Er muss durchgehend, ausreichend breit und frei von Mörtelbrücken und Bauschutt sein, und die Außenschale muss schlagregendicht sein. Geprüft wird das mit einer Endoskopie über Probebohrungen – vor der Beauftragung, nicht danach.
Für die Förderung tritt bei diesem System an die Stelle eines U-Werts die vollständige Verfüllung der Hohlschicht. Mit sechs Zentimetern Hohlraum wäre der Regelwert von 0,20 auch gar nicht erreichbar.
Innendämmung
Wenn die Fassade nicht angetastet werden darf – bei einem Baudenkmal, einer erhaltenswerten Klinker- oder Fachwerkfassade, an einer Grundstücksgrenze –, bleibt die Dämmung von innen.
Sie ist bauphysikalisch die anspruchsvollste Variante, weil sie den Taupunkt in die Konstruktion verschiebt: Die Bestandswand liegt danach kälter als vorher. Ohne eine dampfbremsende Ebene oder einen kapillaraktiven Dämmstoff schlägt sich Feuchte an ihrer Innenseite nieder.
Dazu kommen die Anschlüsse: An jeder einbindenden Innenwand und an jeder Geschossdecke entsteht eine Wärmebrücke, die gesondert zu lösen ist. Und sie kostet Wohnfläche.
Weil der Regelwert von 0,20 mit der begrenzten Dämmstärke selten erreichbar ist, nennen die Quellen für die Innendämmung einen gelockerten Wert. Vor der Planung lohnt die Rückfrage beim Energieeffizienz-Experten, welcher Wert im konkreten Fall gilt.
Wie Sie das passende System eingrenzen
Vier Fragen führen in den meisten Fällen zu einer Antwort:
- Ist die Fassade zweischalig? Dann ist die Kerndämmung zu prüfen, bevor irgendetwas anderes gerechnet wird.
- Darf die Ansicht sich verändern? Wenn nein, bleibt Kern- oder Innendämmung.
- Ist die Wand schlagregenbelastet oder ungleichmäßig? Dann spricht viel für die hinterlüftete Vorhangfassade.
- Trifft nichts davon zu? Dann ist das WDVS in aller Regel die wirtschaftlichste Lösung.
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