Innendämmung: wann sie sinnvoll ist und woran sie scheitert
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Wann die Frage überhaupt aufkommt
Eine Dämmung von außen ist in fast jeder Hinsicht die bessere Lösung: Sie umschließt das Gebäude ohne Unterbrechung, hält die Bestandswand warm und trocken und kostet keine Wohnfläche. Die Innendämmung kommt deshalb nur dort in Betracht, wo die Außenseite nicht angetastet werden darf oder kann.
Das sind im Wesentlichen vier Fälle: ein Baudenkmal oder eine erhaltenswerte Fassade, eine Sichtklinker- oder Fachwerkfassade, eine Wand direkt an der Grundstücksgrenze – und der Fall, dass nur einzelne Räume saniert werden sollen.
Warum der Taupunkt wandert
Eine Innendämmung hält die Wärme im Raum. Das heißt zugleich: Sie hält sie von der Bestandswand fern. Die Wand liegt danach kälter als vorher, und zwar über die gesamte Heizperiode.
Warme Raumluft enthält mehr Wasserdampf als kalte. Trifft sie auf die kalte Rückseite der Dämmung, kann sie diesen Dampf nicht mehr halten – er schlägt sich dort nieder, wo niemand ihn sieht und wo er nicht abtrocknet, weil die Dämmung davorsteht.
Genau das ist der Grund, warum eine Innendämmung nie nur aus einer Dämmplatte besteht. Sie braucht immer eine Antwort auf die Feuchtefrage.
Die zwei Antworten
Der erste Weg ist die dampfbremsende Ebene auf der Raumseite: eine Bahn, die verhindert, dass Feuchte überhaupt in die Konstruktion gelangt. Sie muss vollflächig und an allen Anschlüssen dicht sein – an jeder einbindenden Innenwand, an jeder Geschossdecke, an jeder Steckdose. Ein Loch macht den Aufbau nicht ein bisschen schlechter, sondern hebt seine Wirkung an dieser Stelle auf.
Der zweite Weg ist ein kapillaraktiver Dämmstoff – Kalziumsilikat, bestimmte Holzfaserplatten, Mineraldämmplatten. Er lässt Feuchte zu, transportiert sie aber über die Kapillarwirkung des Materials wieder zur Raumseite zurück, wo sie abtrocknen kann. Der Aufbau kommt ohne Dampfbremse aus und verträgt Ungenauigkeiten besser.
Welcher Weg passt, hängt an der Bestandswand, an der Schlagregenbelastung und an der Nutzung des Raums. Beantworten lässt sich das mit einer hygrothermischen Berechnung – für ein Bad oder eine Küche ist sie kein Luxus.
Die Anschlüsse sind die eigentliche Arbeit
An jeder Stelle, an der eine Innenwand oder eine Geschossdecke in die gedämmte Außenwand einbindet, entsteht eine Wärmebrücke – die Decke leitet die Kälte von der kalt gewordenen Außenwand in den Raum hinein.
Der übliche Weg ist ein Dämmkeil: Die Dämmung wird ein Stück weit an der Innenwand oder unter der Decke entlanggeführt, damit der Temperatursprung nicht an der Kante liegt. Das ist Handarbeit und der Grund, warum eine Innendämmung je Quadratmeter mehr kostet, als die Materialliste vermuten lässt.
Dasselbe gilt für Fensterlaibungen, Heizkörpernischen und alles, was an der Wand hängt: Regale, Küchenzeilen, Elektroinstallation. Eine Innendämmung ist selten eine Maßnahme, die sich im bewohnten Zustand nebenher ausführen lässt.
Was die Förderung verlangt
Die Innendämmung ist eine förderfähige Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle wie jede andere Wanddämmung. Weil der Regelwert von 0,20 W/(m²·K) mit der im Raum verfügbaren Dämmstärke oft nicht erreichbar ist, nennen die Quellen dafür einen gelockerten Wert.
Verbindlich klären lässt sich das nur im Einzelfall – und weil ohnehin ein Energieeffizienz-Experte eingebunden sein muss, ist das die Stelle, an der die Frage hingehört: welcher U-Wert für diesen Aufbau maßgeblich ist und ob er erreicht wird.
Was ins Angebot gehört
Ein Innendämmungsangebot, das nur Platte und Anbringung nennt, beschreibt die Maßnahme nicht vollständig. Diese Punkte gehören dazu:
- Der Dämmstoff mit Angabe, ob kapillaraktiv oder mit Dampfbremse gearbeitet wird
- Ob eine hygrothermische Berechnung für den Aufbau vorliegt
- Die Ausführung der Anschlüsse an Innenwände und Geschossdecken (Dämmkeile)
- Die Behandlung der Fensterlaibungen und Heizkörpernischen
- Der Umgang mit der vorhandenen Elektroinstallation in der Außenwand
- Die Oberfläche: Putz, Spachtelung, Anstrich – und ob Tapeten wieder aufgebracht werden
- Ein Hinweis auf das Lüftungsverhalten nach der Maßnahme, weil der Raum danach schneller feucht wird
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